Daniel Woodrell

Daniel Woodrell

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Der Tod von Sweet Mister

Der Tod von Sweet Mister

Originaltitel: The Death of Sweet Mister, 2001

Liebeskind, 2012

192 Seiten

Roman

Inhalt

Ein schicksalsschwerer Sommer im Leben des 13jährigen Morris "Shuggie" Atkins - übergewichtig, ohne Freunde, mit einer ödipalen Nähe zu seiner Mutter Glenda, mit der er sich den Job als Hausmeister des örtlichen Friedhofs teilt. Während Glenda sich die Zeit mit Alkohol und Flirts vertreibt - ihren Sohn eingeschlossen, der sich ihrer physischen Präsenz mehr und mehr bewusst wird, schneit gelegentlich ihr Mann Red rein. Der könnte sogar Shuggies Vater sein, aber so recht weiß das niemand. Manchmal bringt Red Drogen, Diebesgut oder etwas Kohle mit, meist aber nur eine Tracht Prügel. Um seinen familiären Pflicht gerecht zu werden (und nicht ein weiteres Mal in den Knast zu wandern), bindet er den Jungen ins Familiengeschäft ein: Einbrüche bei Ärzten und Kranken, um an Drogen und Medikamente zu kommen. Als eine von Glendas Affären ihr ein bisschen Hoffnung auf einen Ausweg aus ihrem Leben gibt, legen sich dunkle Wolken über sie und Shuggie, die den Geruch des Todes mit sich bringen.


Kommentar

Im Gewand eines seiner White Trash-Szenarios transportiert Woodrell eine Geschichte mit den Ausmaßen einer klassischen Tragödie - Betrug, Intrigen, Liebe, Hass und Mord. Aber es ist nicht die Sprache der Bühne, die da über die Buchseiten kriecht, es ist die der Ozarks. Hart und direkt und unverblümt. Und es sind keine abstrakten Theaterfiguren, kein gemaltes Bühnebild, sondern die bittere Realität der weißen Unterschicht. Jeder Charakter ein Drama in sich, vom Schicksal an den Haaren gepackt und durch den Schmutz gezogen. Scheiß auf Hoffnung, scheiß auf Moral. Ihnen geht es dreckig, ihnen wird übel mitgespielt - sie torkeln durch den verschmutzen Bodensatz des Lebens. Aber gleichzeitig schmieren sie sich damit ein, tauchen darin unter, bis ihnen die Kloake über den Schädel schwappt. Das ist es, was Woodrells Figuren so eindringlich macht - sie sind keine angemalten Pappfiguren, keine völligen Klischees. Sie machen Fehler, bekommen eins auf die Schnauze. Stehen auf, machen wieder Fehler und bekommen noch einen in die Fresse. Was lernt man daraus? Nichts. Fast nichts. Nur das eine: Sie sind menschlich.


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Daniel Woodrell - Biographie, Bibliographie